Was haben wir gut gemacht?

Auf welche Erfolge aus diesem Zeitraum sind Sie besonders stolz?

Diesmal haben wir alle Sprint-Zusagen vor dem Zeitplan geliefert.
Seit wir wöchentliche Updates eingeführt haben, läuft die Kommunikation mit den Stakeholdern deutlich besser.
Durch die Pair-Programming-Sessions konnten wir komplexe Probleme effizienter lösen.
Was haben wir gelernt?

Welche Erkenntnisse oder Entdeckungen nehmen Sie mit?

Das Authentifizierungs-Feature in kleinere Aufgaben aufzuteilen, hat es deutlich handhabbarer gemacht.
Ich habe einen effizienteren Weg für Datenbankmigrationen gefunden, der die Ausfallzeiten reduziert.
Wir haben gelernt, dass frühe Einbindung der Stakeholder später größere Nacharbeiten verhindert.
Was sollten wir anders machen?

Welche Änderungen würden uns beim nächsten Mal besser machen?

Wir sollten klarere Akzeptanzkriterien festlegen, bevor wir mit der Entwicklung beginnen.
Ich finde, wir müssen mehr Zeit für Code-Reviews einplanen, um die Qualität zu halten.
Lasst uns ein gemeinsames Glossar anlegen, damit wir alle dieselben Begriffe verwenden.
Was ist uns noch rätselhaft?

Welche Fragen oder Unklarheiten sind noch offen?

Mir ist immer noch nicht klar, warum die Performance-Probleme nur in der Produktionsumgebung auftreten.
Wie können wir Aufgaben mit externen Abhängigkeiten besser schätzen?
Warum schwankt unsere Velocity von Sprint zu Sprint so stark?

Was ist die Prime-Directive-Retrospektive?

Norm Kerth hat die Prime Directive 2001 in seinem Buch Project Retrospectives: A Handbook for Team Reviews formuliert, und auf ihr baut diese Retrospektive auf. Zu Beginn lesen Sie die Prime Directive laut vor. Anschließend arbeiten Sie Kerths ursprüngliche vier Fragen durch: Was haben wir gut gemacht, was haben wir gelernt, was sollten wir anders machen und was ist uns noch rätselhaft? Die Prime Directive bittet alle, davon auszugehen, dass jede Person die bestmögliche Arbeit geleistet hat, gemessen an ihrem damaligen Wissensstand, ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten, den verfügbaren Ressourcen und der jeweiligen Situation. Wer von dieser Annahme ausgeht, nimmt Schuldzuweisungen aus dem Spiel. Alle können offen darüber sprechen, was passiert ist und warum, ohne in die Defensive zu gehen. Genau daraus entstehen die wertvollen Erkenntnisse. Das Format eignet sich gut nach einem schwierigen Projekt oder einer belastenden Umstellung, wenn die Emotionen noch hochkochen. Es hält die Diskussion beim Lernen, sodass sich Ihr Team auf konkrete Verbesserungen einigen kann und sich am Ende trotzdem noch vertraut. Viele spätere Retrospektivformate greifen auf diese vier Fragen zurück.

Format der Prime-Directive-Retrospektive

Was haben wir gut gemacht?

Auf welche Erfolge aus diesem Zeitraum sind Sie besonders stolz?

Hier geht es darum, Erfolge zu feiern und positive Muster zu erkennen. Ermutigen Sie das Team, große Leistungen ebenso zu würdigen wie kleine Fortschritte. Achten Sie auf wiederkehrende Themen, die auf Stärken des Teams hinweisen, auf denen Sie aufbauen können.

Was haben wir gelernt?

Welche Erkenntnisse oder Entdeckungen nehmen Sie mit?

Hier sammelt das Team, was es aus seinen Erfahrungen gelernt hat. Ermutigen Sie alle, sowohl technische Lektionen als auch Erkenntnisse zum Prozess zu teilen. Diese Lektionen lohnt es sich oft weiterzugeben, weil sie künftiger Arbeit und anderen Teams helfen können.

Was sollten wir anders machen?

Welche Änderungen würden uns beim nächsten Mal besser machen?

Hier geht es darum, konkrete, umsetzbare Verbesserungen zu finden. Lenken Sie das Team auf greifbare Änderungen statt auf vage Wünsche. Achten Sie auf Muster, die eher auf systemische Probleme als auf Einzelfälle hindeuten.

Was ist uns noch rätselhaft?

Welche Fragen oder Unklarheiten sind noch offen?

Hier werden offene Fragen und ungelöste Themen gesammelt, die eventuell genauer untersucht werden müssen. Oft stecken dahinter Risiken oder Chancen, die Aufmerksamkeit verdienen. Überlegen Sie, für die wichtigsten Rätsel bis zur nächsten Retrospektive Verantwortliche festzulegen, die der Sache nachgehen.

Wann sollte diese Retrospektive durchgeführt werden?

  • Nach einem wichtigen Meilenstein oder Release, um die Erkenntnisse festzuhalten, solange sie noch frisch sind.
  • Nach einem Rückschlag, wenn das Team ohne Schuldzuweisungen über das Geschehene sprechen muss.
  • Mit Teams, die noch wenig Erfahrung mit Retrospektiven haben, weil vier einfache Fragen leicht nachzuvollziehen sind.
  • Wenn Vertrauen wieder aufgebaut werden muss. Die Annahme guter Absichten in der Prime Directive macht es leichter, sich offen zu äußern.

Vorschläge für Fragen zum Icebreaker

  • Wenn Sie eine Superkraft hätten, die dem Team hilft, besser zu arbeiten, welche wäre das und warum?
  • Was haben Sie in unserem letzten Arbeitszyklus Unerwartetes gelernt, das Sie überrascht hat?

Möchten Sie eine Aufwärmübung, bei der Ihr Team aktiv mitmacht, und nicht nur laut Antworten gibt? Kostenlose Icebreakers durchsuchen →

Ideen und Tipps für Ihre Retrospektive

  • Lesen Sie zu Beginn Norm Kerths Prime Directive laut vor: „Unabhängig davon, was wir herausfinden, verstehen wir und glauben fest daran, dass alle die bestmögliche Arbeit geleistet haben, gemessen an ihrem damaligen Wissensstand, ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten, den verfügbaren Ressourcen und der jeweiligen Situation.“
  • Nehmen Sie „Was ist uns noch rätselhaft?“ zuletzt dran. Die Frage baut oft auf den anderen Antworten auf und zeigt, wo genauer hingeschaut werden muss.
  • Fragen Sie nach konkreten Beispielen statt Verallgemeinerungen, damit die Diskussion zu Ergebnissen führt.
  • Wenn sich Teilnehmende zurückhalten, gehen Sie reihum und bitten Sie jede Person um mindestens einen Beitrag pro Frage.
  • Sobald alles auf dem Board steht, priorisieren Sie die Punkte unter „Was sollten wir anders machen?“ und legen Sie für die wichtigsten eine verantwortliche Person und einen Termin fest.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Prime Directive in einer Retrospektive?
Sie ist die Überzeugung, dass alle die bestmögliche Arbeit geleistet haben, gemessen an ihrem damaligen Wissen, ihren Fähigkeiten, den verfügbaren Ressourcen und der damaligen Situation. Norm Kerth hat sie formuliert, um Schuldzuweisungen aus Retrospektiven herauszuhalten, damit sich alle sicher genug fühlen, offen zu sprechen.
Wie lauten Norm Kerths ursprüngliche vier Retrospektivfragen?
Was haben wir gut gemacht? Was haben wir gelernt? Was sollten wir anders machen? Was ist uns noch rätselhaft? Kerth hat sie in Project Retrospectives (2001) veröffentlicht.
Wann sollte ein Team eine Prime-Directive-Retrospektive durchführen?
Nach einem Meilenstein oder Release, nach einem Rückschlag, der eine Diskussion ohne Schuldzuweisungen erfordert, mit Teams, die neu in Retrospektiven sind, oder immer dann, wenn Vertrauen wieder aufgebaut werden muss.
Wer ist Norm Kerth?
Norman Kerth ist Softwareberater und Autor von Project Retrospectives: A Handbook for Team Reviews, dem Buch, in dem die Prime Directive für Retrospektiven eingeführt wurde.
Sollte man die Prime Directive in jeder Retrospektive vorlesen?
Viele Moderierende lesen sie zu Beginn jeder Retro vor, zumindest aber, wenn neue Personen dazukommen oder das Thema heikel ist. Das dauert weniger als eine Minute und gibt den Ton vor.
Sind Sie bereit, diese Retrospektive durchzuführen?Probieren Sie diese Retrospektive live aus