Agiles Theater ist das, was aus einer agilen Zeremonie wird, wenn sie eher dem Schein als dem Zweck dient: Das Stand-up, die Planungssitzung oder die Retrospektive finden termingerecht statt und machen einen guten Eindruck, während das, wofür das Meeting eigentlich gedacht ist, stillschweigend auf der Strecke bleibt. Ein verlässliches Anzeichen dafür ist, dass das eigentliche Publikum der Zeremonie nicht mehr das Team ist.

In der Regel liegt es nicht an mangelndem Einsatz, und ein neues Format wird das Problem nicht lösen. Es entsteht aus strukturellen Gründen – ein Manager, für den das Stand-up-Meeting eigentlich abgehalten wird, eine von oben vorgegebene Geschwindigkeitskennzahl, eine Retrospektive, deren Ergebnisse nie in den nächsten Sprint einfließen –, weshalb es sich in vier erkennbaren Formen manifestiert und nicht als ein vages Gefühl, dass Agilität nicht funktioniert.

Das Echte von der Darstellung unterscheiden

Eine Zeremonie erfüllt ihren Zweck, wenn…Es ist Theater, wenn…
Das Team tauscht sich untereinander und mit dem Vorstand ausJeder untersteht der ranghöchsten Person im Raum
Schätzungen und Prognosen des TeamsSchätzungen werden zu verbindlichen Verpflichtungen, die dem Team angelastet werden
Ein Ausfall des Treffens wäre bedauerlichEin Verzicht darauf würde nichts außer Zeit kosten
Die Ereignisse der letzten Retro-Veranstaltung haben tatsächlich stattgefundenNach der Retro-Veranstaltung ändert sich nichts

Jeder der unten aufgeführten Modi verdeutlicht diese Diskrepanz am deutlichsten – nämlich die Zeremonie, die er abbildet, und wie man diese Zeremonie stattdessen in der Praxis durchführt. Wenn Sie zunächst eine klare Erklärung der Besprechungen wünschen, beginnen Sie damit, was der eigentliche Zweck der agilen Zeremonien ist; falls Ihnen die rechte Spalte bereits bekannt vorkommt, lesen Sie bitte weiter.

Kapitel 1 Aufführung: Die Zeremonie, die Sie für das Publikum inszenieren

Die erste Schwachstelle des „agilen Theaters“: Zeremonien, die nur dem Schein dienen und nicht der Funktion. Status-Theater bei Stand-up-Meetings, „Cargo-Kult“-Schätzungen und Retros, bei denen nur Abhaklisten abgearbeitet werden – und wie man Funktion von bloßer Darbietung unterscheidet.

Kapitel 2 Macht: Wenn Autorität die Zeremonie an sich reißt

Die zweite Schwachstelle des agilen Theaters: Autoritätsverzerrungen, die die Ehrlichkeit untergraben. „Velocity-Ratchet“, „Estimate-Laundering“ und „Feedback-Banking“ – die drei Wege, auf denen ein Machtungleichgewicht eine Zeremonie gegen das Team wendet.

Kapitel 3 Überlastung: Wenn es zu viel Zeremoniell gibt

Die dritte Schwachstelle des agilen Theaters: zu viel Zeremoniell. Die „Besprechungssteuer“, die Kosten für den Kontextwechsel, die die fünfzehn Minuten bei weitem in den Schatten stellen, und die Belastung durch den Rhythmus, die kurzen Sprints zunichte macht – und wie man das richtige Maß findet.

Kapitel 4 Nichtigkeit: Wenn die Zeremonie nichts ändert

Die vierte Fehlerquelle im agilen Theater: die Lücke bei der Umsetzung. Wenn die Retrospektive nur Worte und nichts als Worte hervorbringt, wird sie zu einem Ventil für Probleme, die außerhalb der Kontrolle des Teams liegen – und wie man stattdessen Prioritäten setzt, Probleme eskaliert und daraus lernt.

Kapitel 5 Glossar zum agilen Theater: vier neu geprägte Fehlerarten

Definitionen der vier im „Agile Theatre Field Guide“ geprägten Begriffe: „Estimate Laundering“, „Feedback Banking“, „Velocity Ratchet“ und „Retro-as-Pressure-Valve“. Die maßgebliche, zitierfähige Quelle für jeden einzelnen Begriff.