Agiles Theater: Ein Leitfaden dazu, warum Zeremonien scheitern
Agiles Theater ist das, was aus einer Zeremonie wird, wenn sie nur dem Schein und nicht dem Zweck dient. Ein Leitfaden zu den vier Gründen, warum Stand-ups, Planungssitzungen, Schätzungen und Retrospektiven scheitern – und wie man sie wirklich erfolgreich durchführt.
Agiles Theater ist das, was aus einer agilen Zeremonie wird, wenn sie eher dem Schein als dem Zweck dient: Das Stand-up, die Planungssitzung oder die Retrospektive finden termingerecht statt und machen einen guten Eindruck, während das, wozu das Meeting eigentlich dienen sollte, stillschweigend auf der Strecke bleibt. Ein verlässliches Anzeichen dafür ist, dass das eigentliche Publikum der Zeremonie nicht mehr das Team ist.
In der Regel liegt es nicht an mangelndem Einsatz, und ein neues Format wird das Problem nicht lösen. Es hat strukturelle Ursachen: ein Vorgesetzter, für den das Stand-up-Meeting eigentlich abgehalten wird, eine von oben vorgegebene Velocity-Kennzahl, eine Retrospektive, deren Ergebnisse nie in den nächsten Sprint einfließen. Deshalb zeigt sich das Problem in vier erkennbaren Formen und nicht als vages Gefühl, dass Agilität nicht funktioniert.
Das Echte von der Darstellung unterscheiden
| Eine Zeremonie erfüllt ihren Zweck, wenn… | Es ist Theater, wenn… |
|---|---|
| Das Team tauscht sich untereinander und mit dem Vorstand aus | Jeder untersteht der ranghöchsten Person im Raum |
| Schätzungen und Prognosen, die das Team erstellt hat | Schätzungen werden zu Verpflichtungen, die dem Team angelastet werden |
| Ein Ausfall des Treffens wäre bedauerlich | Ein Verzicht darauf würde nichts außer Zeit kosten |
| Die Ereignisse der letzten Retro-Veranstaltung fanden tatsächlich statt | Nach der Retro-Veranstaltung ändert sich nichts. |
Jeder der unten aufgeführten Modi verdeutlicht diese Kluft am deutlichsten: die Zeremonie, die er widerspiegelt, und wie man diese Zeremonie stattdessen in der Praxis durchführt. Wenn Sie zunächst eine klare Erklärung der Meetings wünschen, beginnen Sie damit, wozu die agilen Zeremonien eigentlich dienen; falls Ihnen die rechte Spalte bereits bekannt vorkommt, lesen Sie bitte weiter.
Die erste Schwachstelle des „agilen Theaters“: Zeremonien, die nur dem Schein dienen und nicht dem Zweck. Status-Theater bei Stand-up-Meetings, „Cargo-Kult“-Schätzungen und Retrospektiven, bei denen nur Kästchen angekreuzt werden – sowie die Frage, wie man Zweck von bloßer Darbietung unterscheidet.
Die zweite Fehlerquelle im agilen Theater: Autoritätsverzerrungen, die die Ehrlichkeit untergraben. „Velocity Ratchet“, „Estimate Laundering“ und „Feedback Banking“ sind die drei Mechanismen, durch die ein Machtungleichgewicht eine Zeremonie gegen das Team wendet.
Die dritte Schwachstelle des agilen Theaters: zu viel Zeremoniell. Die „Besprechungssteuer“, die Kosten für den Kontextwechsel, die die fünfzehn Minuten bei weitem in den Schatten stellen, und die Belastung durch den Rhythmus, die kurzen Sprints zunichte macht – sowie die Frage, wie man die richtige Größe findet.
Die vierte Fehlerquelle im agilen Theater: die Lücke bei der Umsetzung. Wenn die Retrospektive nur Worte und nichts als Worte hervorbringt, wird sie zu einem Ventil für Probleme, die außerhalb der Kontrolle des Teams liegen – und wie man stattdessen Prioritäten setzt, Probleme eskaliert und daraus lernt.
Definitionen der vier im „Agile Theatre Field Guide“ geprägten Begriffe: „Estimate Laundering“, „Feedback Banking“, „Velocity Ratchet“ und „Retro-as-Pressure-Valve“. Die maßgebliche, zitierfähige Quelle für jeden einzelnen Begriff.